Rechtliche Vorschriften

1. Vorschriften für die Ausrüstung von Frachtschiffen mit Rettungsmitteln

1.1. SOLAS und LSA

Gemäß internationalen Übereinkommen muss die Ausrüstung eines Frachtschiffes mit Rettungsmitteln bestimmten Sicherheitsanforderungen genügen. Dies ist z. B. im Rahmen des Internationalen Übereinkommens von 1974 zum Schutz des menschlichen Lebens auf See (SOLAS) der Fall.

Dieses Abkommen wurde ausgehandelt durch die IMO (International Maritime Organisation) mit Sitz in London, deren derzeitige 167 Mitgliederstaaten die SOLAS Vorschriften laufend anpassen. Die Anpassungen erfolgen in der Regel durch den technischen Ausschuss der IMO, das Maritime Safety Committee (MSC).

Das Chapter III diese SOLAS Abkommens beschäftigt sich mit Life-Saving Appliances and Arrangements, also allen Rettungsmitteln und den an diese gestellten Anforderungen. Auf der Basis dieses Chapter III wurde der LSA Code (Life-Saving Appliance Code) durch das Maritime Safety Committee im Juni 1996 durch die Richtlinie MSC.48(66) verabschiedet, um internationale Standards für Lebensrettungsmittel, die nach SOLAS, Chapter III gefordert werden, einzuführen. Diese Richtlinie trat am 1.07.1998 in Kraft.

Der LSA Code wurde angepasst und ergänzt durch die Richtlinie MSC.218(82), die am 01.01.2008 in Kraft trat. Hierdurch wurden einige Regeln hinsichtlich der Sicherheitsanforderungen an Lebensrettungsgeräten präzisiert.

Mit der Richtlinie A.689(17) hat die IMO die Empfehlungen zu den Herstellungstests von Lebensrettungsmitteln Ende 1991 angenommen. In 1998 hat das Maritime Safety Committee der IMO die Notwendigkeit erkannt, genauere Anforderungen für die Herstellungstests von Lebensrettungsmitteln einzuführen, und als Folge davon die Richtlinie MSC.81(70) verabschiedet, die die Richtlinie A.689(17) praktisch ersetzt.

Eine Erläuterung der Inhalte der verschiedenen Richtlinien von IMO und MSC finden Sie im Internet unter www.imo.org (Stichpunkt Safety).

1.2. EU-Marine Directive (Steuerrad)

Zusätzlich war die Europäische Union darum bemüht, durch die Festlegung gemeinsamer Regeln für die Ausrüstung von Frachtschiffen mit Rettungsmitteln Unterschiede bei der Umsetzung der internationalen Normen in den EU-Mitgliedsstaaten zu beseitigen. Mit diesem Ziel hat die EU 1996 die Richtlinie 96/98/EG des Rates (EU Marine Directive oder kurz MED) verabschiedet, die am 1.01.1999 für Frachtschiffe einer EU-Flagge in Kraft trat. Gemäß dieser Richtlinie muss eine Konformitätsbewertung bei den Herstellern von Lebensrettungsmitteln durchgeführt werden zum Erhalt des Konformitätskennzeichens (Steuerrad), das für die Aufstellung dieser Ausrüstung an Bord eines Schiffes der EU-Mitgliedsstaaten und Schiffen, die dem Zulassungsverfahren der MED zugestimmt haben, erforderlich ist. Seit Inkrafttreten dieser Richtlinie muss also jedes  zulassungspflichtige Rettungsmittel an Bord eines Frachtschiffes, das eine Flagge eines EU-Mitgliedstaates führt, als Konformitätszeichen das sog. Steuerrad tragen. Die Richtlinie gilt nicht für Ausrüstung, mit der ein Schiff zum Zeitpunkt des Inkrafttretens der Richtlinie bereits ausgestattet ist. Wird allerdings ein Ausrüstungsteil ersetzt bzw. handelt es sich um eine Neuausrüstung gilt die Richtlinie wiederum. Welche Rettungsmittel gemäß dieser Richtlinie zulassungspflichtig sind, enthält der Anhang zu dieser Richtlinie. Dort sind u. a. folgende Kategorien aufgelistet:
  1. A.1/1.12  Aufblasbare Rettungsflöße
  2. A.1/1.13  Starre Rettungsflöße
  3. A.1/1.14  Automatisch selbstaufrichtende Rettungsflöße
  4. A.1/1.15  Beidseitig verwendbare Rettungsflöße mit Schutzdach
  5. A.1/1.16 Aufschwimmvorrichtungen für Rettungsflöße (Hydrostatische Auslösevorrichtungen)
  6. A.1/1.24  Aussetzvorrichtungen für Rettungsflöße
  7. A.1/1.27  Schiffsevakuierungssysteme
Ab dem Inkrafttreten der Richtlinie muss neu hergestellte Ausrüstung den in diesem Anhang genannten internationalen Übereinkünften genügen. Eine Liste aller in diesem Bereich zulassungspflichtigen und zugelassenen Produkte sowie deren Hersteller können Sie im Internet unter www.mared.org nach vorheriger Anmeldung einsehen.

Den vollen Text der EU-Marine Directive können Sie im Internet unter www.gl-group.com einsehen.

1.3. Nützliche Links zu diesem Thema



2. Vorschriften für die Ausrüstung von Sportbooten mit Rettungsinseln

2.1. ISO 9650


Im März 2005 ist eine neue internationale Norm, ISO 9650, für Rettungsinseln auf Segel- und Motorbooten verabschiedet worden.

Diese Norm bestimmt den Umfang der Ausrüstung und die technischen Daten der Rettungsinseln und der Materialien, die für ihre Herstellung verwendet werden. Sie gilt für Segel- und Motorboote bis zu 24 Metern Länge. Die Einhaltung dieser Norm ist jedoch nicht in allen Ländern verpflichtend sondern erfolgt in der Regel auf freiwilliger Basis.

Es gibt zwei Normen für die unterschiedlichen Typen von Rettungsinseln:
     
  1. ISO 9650-1: Hochseenavigation

    Rettungsinseln für lange Törns, bei denen starker Wind und hohe Wellen möglich sind (mit Ausnahme von unüblichen Wellenbedingungen wie z.B. Orkanen).

    Die Rettungsinseln gemäß dieser Norm werden, je nach Temperaturbedingungen in der befahrenen Zone, in die Klassen A und B unterteilt:
    • Klasse A: Rettungsinseln, die sich bei einer Lufttemperatur von - 15° C       bis  + 65° C aufblasen und über einen isolierten Boden verfügen;
    • Klasse B: Rettungsinseln, die sich bei einer Lufttemperatur von 0° C bis + 65° C aufblasen und über einen einfachen Boden verfügen;

    Je nach Dauer, die der Schiffbrüchige bis zu seiner Rettung in der Rettungsinsel verbringen kann, gibt es zwei verschiedene Ausstattungen:
    • Emergency-Ausstattung: Bei voraussichtlicher Rettung nach mehr als 24 Stunden;
    • Standard-Ausstattung: Bei voraussichtlicher Rettung innerhalb von 24 Stunden;

  2. ISO 9650-2: Küstennavigation

    Rettungsinseln, die für die Navigation in Küstengewässern, großen Buchten, Mündungen und Seen oder Flüssen etc. entwickelt wurden, wo gemäßigte Bedingungen herrschen;

    Diese Rettungsinseln sind so konstruiert, dass sie sich bei einer Lufttemperatur von 0° C bis + 65° C korrekt aufblasen lassen. Sie verfügen über einen einfachen Boden sowie eine Standard-Ausstattung.

Typ ISO 9650-1 ISO 9650-2
Verwendung Hochsee Küstengewässer
Personenanzahl 4-12 Pers. 4-10 Pers.
Max. Abwurfhöhe 6 Meter 4 Meter
Außentemperatur für korrektes Aufblasen Gruppe A: -15° bis +65° Gruppe B: 0° bis +65° 0° bis 65°
Boden   Gruppe A: Isol. Boden Gruppe B: Einf. Boden Einfacher Boden
Freibord   250 mm (4 Pers.) 300 mm (> 4 Pers.) 250 mm (4 Pers.) 300 mm (> 4 Pers.)
Fläche pro Person 0,372 qm 0,250 qm
Auftrieb pro Person 96 Liter 82 Liter
Dachbogen faltet automatisch auf wird manuell aufgefaltet
Außenleuchte 4,3 cd 0,75 cd
Radarreflektoren 1500 qcm 1500 qcm
Ausstattung   Emergency >24 Std. Standard     <24 Std. Standard

Die Ausstattung enthält die folgenden Bestandteile: 

Ausstattung >24 Std. <24 Std. in der Insel im Grab Bag
Wasserschöpfer 1 1 x  
Schwamm 2 2 x  
Paddel 1 1 x  
Erste Hilfe Pack 1 0   x
Pfeife 1 1 x  
Wasserdichte Taschenlampe 2 1 x  
Signalspiegel 1 1 x  
Tabletten gegen Seekrankheit 6 6   x
Speibeutel 1 1   x
Handfackeln rot gem. SOLAS 6 3 3 Min. x
Fallschirm-Fackeln gem. SOLAS 2 0 1 Min. x
Kälteschutzhilfe gem. SOLAS 2 0   x
Reparaturset 1 1 x  
Blasebalg 1 1 x  
Trinkwasser á 500 ml. 1,5 l 0 0,5 l x
Notration 10000 KJ 0   x

 

2.2. Nützliche Links zu diesem Thema

www.iso.org (International Standard Organisation)

 

3. Vorschriften für Wartungsstationen

Wartungsstationen unterliegen für den Bereich der Handelsschifffahrt der IMO Richtlinie A.761(18) und MSC.55(66), deren Einhaltung von der See-Berufsgenossenschaft (SBG) als nationaler Aufsichtsbehörde anhand einer Zulassungsbescheinigung überprüft und testiert wird. Zusätzlich muss der Hersteller des Rettungsmittels die Wartungsstation autorisieren und das Wartungspersonal entsprechend ausbilden. Lebensrettungsmittel wie z.B. Rettungsinseln, Rettungswesten und Überlebensanzüge, die ein Teil der Ausrüstung von Frachtschiffen darstellen, müssen daher bei den vom Hersteller autorisierten Wartungsstationen gewartet werden. Die Rettungsmittel unterliegen vorgeschriebenen Wartungsintervallen. Diese betragen bei aufblasbaren Rettungsinseln und Rettungswesten mit SOLAS bzw. MED Zulassung 1 Jahr, für hydrostatische  Wasserdruckauslöser 1 bis 3 Jahre. Für Überlebensanzüge ist zurzeit noch kein festes Wartungsintervall vorgeschrieben, die meisten Hersteller empfehlen jedoch eine Wartung alle drei Jahre. 

Für den Bereich des Sportbootsektors sollten sich  Wartungsstationen an der Norm ISO 9650 orientieren. Diese Norm ist allerdings in Deutschland noch nicht verpflichtend anzuwenden; die Anwendung erfolgt auf freiwilliger Basis. Gemäß ISO 9650 sollten auch Rettungsinseln für Sportboote regelmäßig nach den Vorgaben des Herstellers von Wartungsstationen gewartet werden, die der Hersteller zur Wartung autorisiert hat. Dabei soll der Hersteller auch die Wartungsintervalle festlegen sowie die Mitarbeiter der Wartungsstation entsprechend ausbilden.